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Auf dem Weg nach Marokko – einmal quer durch Frankreich

Mit einer Woche Verspätung fahren wir endlich mit Opa Theo los, in Richtung unserem Winterziel, nach Marokko.

Unser erster Stopp ist ganz unspektakulär bereits nach 60 km in Ludwigsburg, weil wir noch etwas einkaufen möchten und dann geht es über den Nordschwarzwald zu Volker und Andrea nach Kehl. Wir genießen zwei wundervolle Tage mit unseren Freunden und dann, ja dann geht es tatsächlich endlich los in Richtung Süden.

Der langersehnte Start mit Opa Theo endlich los zu tuckern ist gekommen, wie es wohl wird mit so einem alten Auto eine so lange Strecke zu fahren? Wir hängen, jeder für sich, eine ganze Weile unseren Gedanken nach und währenddessen passieren wir Straßburg, fahren durch das wunderschöne Entzheim mit seinen vielen Fachwerkhäusern, vorbei an Eichenwäldern und Walnussplantagen.

Noch sind wir im Elsass, fahren von Ville Fleurie zu Village Fleurie, die ersten Weinberge begleiten uns und das stetige Ächzen und Surren unseres Autos. Daß das Fahrerhaus vor sich hin knarzt, sind wir ja schon gewohnt, dass die Lichtmaschine neuerdings seltsam pfeift versuchen wir zu ignorieren. Ein Ersatz ist vorsichtshalber an Bord, aber wir sind guter Hoffnung, dass Theo auch an uns glaubt und einfach ein bisschen vor sich hin pfeift und dabei nicht den Geist aufgibt.

Jetzt geht es in die Vogesen, mit 30 km/h kämpfen wir uns in die Berge, die Maronenbäume werden von verwunschenem Wald abgelöst. Hier muss ein wahres Pilzparadies sein, an fast jeder Kurve parken die Pilzsammler, die uns lachend, winkend und staunend nachschauen. Und irgendwann sind wir oben angekommen und somit auch in den Wolken. Das Wetter ist leider nicht so schön, aber es ist schon ein irrer Anblick, wenn die Skilifte aus den Wolkenbänken und dem Nebel auftauchen. Wenn die Wolken dann mal aufreißen, geben sie uns einen Ausblick als wenn wir im Allgäu wären.

Für den Weg mit einem 3,60m hohem und 7,49 t schweren Auto haben wir uns extra eine LKW App zugelegt, nicht dass wir mal unter einer Brücke nicht durchkommen und dann womöglich 100km Umweg fahren müssen. Ich gebe schnellste Route ein, schließe Mautstraßen aus und dann beginnt das Abenteuer französische Straßen. Warum auch immer, wir fahren irgendwie eben nicht auf Hauptstraßen, sondern nur auf Nebenstraßen, auch auf solchen die gar nicht für uns ausgelegt sind.

Nach 30km habe ich die faxen dicke, so kommen wir ja nie in Besançon an. Wir halten irgendwo in einem netten kleinen Ort, wo gerade Markt ist, kaufen leckere Steinpilze, ein Baguette und etwas Obst, Gemüse und kleine lilafarbenen Kartoffeln und machen erstmal Frühstück. Schnell lade ich mir den restlichen Weg von Google Maps herunter und wir fahren jetzt um einiges zügiger über die Schnellstraße in Richtung unserem ersten Etappenziel.

Aire de stationnement camping-cars
71 Quai Veïl Picard, 25000 Besançon, Frankreich
https://maps.google.com/?cid=15964371752925661600
Frischwasser ist hier kostenlos, Grauwasserentsorgung möglich

Hinter Dole ist das Land eben und platt, eintönig und nicht wirklich einladend. Es reiht sich Feld an Feld, die Häuser links und rechts der Straße stehen alle samt zum Verkauf, einige noch in einem guten Zustand, andere bereits im Zustand Cabrio-Dach.

Nach Chalon-sur-Saône, rund um Givry, fahren wir plötzlich durch Weinberge, die in allen Farben ihr Herbstlaub tragen und dann werden wir urplötzlich aus dem kleinen Bergzug ausgespuckt und fahren durch eine hügelige Landschaft, fast wie bei uns im Schwäbischem.

In Moulins stehen wir direkt am Fluss auf dem ausgewiesenen Wohnmobilstellplatz. Wir zahlen 0,10 € pro Stunde, Wasser und Strom kosten extra und müssen mit Jetons bezahlt werden (1 Jeton = 2€, 4h Strom = 2 Jetons)

DC Area Moulins
64-66 Chemin de Halage, 03000 Moulins, Frankreich
https://maps.google.com/?cid=4749452306608273485

Weiter geht es in Richtung Prémilhat, kilometerlang fahren wir durch wilde Eichenwälder. Wir halten uns im Moment an keinem Ort lange auf, das Wetter lädt nicht wirklich zum Bummeln und Anschauen ein, so machen wir Strecke.

Eine kleine Anekdote am Rande: Als wir vor zwei Wochen zum Abschlussbier eingeladen haben, haben zwei Freunde von uns sich den Spaß erlaubt im ganzen Auto Zettel mit kleinen Sätzen und Botschaften zu verteilen. Die ersten sechs Zettel haben wir schnell gefunden und schnell wurde klar, dass das erst der Anfang ist.

Ralf sagt noch im Spaß: „Die haben doch wohl nichts unter die Matratze gesteckt?!“ Nachgeschaut und tatsächlich, da war auch noch einer. Auf Nachfrage kam dann die Antwort: „Ihr habt gerade mal die Hälfte gefunden.“ Aha, dass wir ja noch spaßig, wir teilen mit, wenn wir noch welche finden.

Opa Theo zickt gerade etwas, wir sind die Strecke mit Vollanschlag 78 km/h gefahren und nach dem längeren Fahren wollen die Gänge 2 und 4 nicht mehr eingelegt werden. Wieder werden leise Zweifel wach, ist das wirklich das richtige Auto für uns? Wir sind ja durch unsere bisherige moderne Silberbüchse echt verwöhnt.

Der kleine Wohnmobilstellplatz von Prémilhat liegt direkt an einem See, Wasser und Strom ist hier kostenlos. Es regnet nach wie vor, wir kümmern um uns etwas um Opa Theo, arbeiten und bleiben zwei Tage hier stehen. Nutzen die Möglichkeit des Landstroms, um unsere Batterie einmal richtig voll zu laden.

Aire de Camping-Cars
6 Route de l’Étang de Sault, 03410 Prémilhat, Frankreich
+33 6 32 21 56 15
https://maps.google.com/?cid=2542273611575004700
Strom / Wasser kostenlos

Immer wieder werden wir gefragt, ob wir tatsächlich mit Kopfhörern fahren und ob Opa Theo denn tatsächlich so laut wäre. Nun ja, er ist laut und man könnte gut ohne Gehörschutz fahren, aber wenn wir autobahnähnliche Straßen fahren, dann empfinden wir es als ganz angenehm mit Musik im Ohr den Lärm um uns herum auszublenden. Wir haben extra Kopfhörer mit Bluetooth gekauft.

Ein kleines schnuckliges Polizeiauto überholt uns und fährt mit Wahnblinkanlage an uns vorbei, kurz fragen wir uns ob wir wohl gemeint sind, da es aber gerade bergan geht und Opa Theo schnell an Geschwindigkeit verliert, vergrößert sich der Abstand zwischen Ihnen und uns recht schnell.

Auf der Kuppe angekommen schaltet der Wagen vor uns um auf Blaulicht und ein Arm kommt aus dem Seitenfenster .. bitte rechts ranfahren. Aha, also doch wir, was die wohl wollen?
„Haben Sie Alkohol getrunken, Cannabis geraucht?“, „Nein und nein.“, „Fahrzeugpapiere und Führerschein bitte.“ Check und weiterfahren. Sehen wir so nach Hippies aus? Egal, weiter geht’s.

Heute regnet es nur einmal, haben uns seither die Kühe auf den Weiden links und rechts begleitet, dann sind es jetzt Schafe, die wir sehen. An einer Raststätte mit WiFi halten wir an und suchen auf unserer Route den nächsten Übernachtungsplatz. Bei den Franzosen hat sich die App „Park4Night“ durchgesetzt und in ihr finden wir auch unseren nächsten Stellplatz.
Bei Clerac befindet sich ein kostenloser Wohnmobilstellplatz an einem kleinen See mit Sitzmöglichkeiten, sauberen Toiletten, Grauwasserentladestation und Frischwasser.

Wohnmobilstellplatz / Aire de Camping Cars
6 Les Pres de Reaux, 17270 Clérac
https://goo.gl/maps/efbVGysq3QVKDsNY9

Flucht vor dem Sturm

Weiter geht’s Richtung Atlantik, die Dune du Pilat, die größte Wanderdüne Europa’s zieht uns magisch an. Das Wetter bleibt schlecht und der angekündigte Atlantikorkan wird auch hier heute Nacht aufs Land treffen. Orkanböen bis 160 km/h sind angekündigt. Vorsichthalber fahren wir einige Kilometer zurück ins Hinterland. Wir finden einen kleinen Parkplatz in Mios, der durch einen Kiefernwald gegen die Windböen recht gut geschützt ist, die vom Atlantik aus übers Land fegen. Wir werden noch ganz kräftig durchgerüttelt, aber das war es dann auch schon.

Inzwischen haben wir Kontakt mit Tobi aufgenommen, der gerade in San Sebastian steht und spontan beschließen wir, uns zu treffen. Also weiter nach Süden, in der Hoffnung das der Dauerregen endlich mal aufhört. Ein Zwischenstopp soll Contis-Plage sein, der Ort wurde uns als Surferhotspot angekündigt und klar, dass jetzt im Winter hier alles zu ist, wir essen im einzigen offenen Lokal eine große Portion Moules é frites, kämpfen uns im Regen an den tosenden Atlantik vor und ziehen wieder von dannen, weiter in Richtung spanische Grenze.

Nächstes Etappen-Ziel: Cambo-les-Bains. Aber bis wir da sind hat der Tag noch einiges mit uns vor. Schon kurz nachdem wir Contis-Plage verlassen brennt unser gerade erst „neu“ gekaufter Wischermotor durch (der letzte hat das erst kurz vor unserer Abfahrt auch getan), aber wer braucht schon Scheibenwischer bei Regen, die werden definitiv überbewertet!

Unsere LKW App spielt wieder mal Abenteuer Straße mit uns und wir fahren mal kleine, mal kleinste Straßen. In den Gräben links und rechts fließt, durch den vielen Dauerregen sehr viel Wasser und in einer tieferen Senke ist der Bach über die Ufer getreten. Wir fahren durch kniehohes Wasser und obwohl wir relativ langsam sind spritzt es bis über unsere Kotflügel hoch. Erstes Offroad Feeling kommt auf. Ich bekomme kurz eine Krise denn diese Straßen im Regen zerren an mir. Ich könnte, wenn es möglich wäre, Opa Theo am liebsten direkt nach Marokko beamen.

An der nächsten abartig steilen Steigung schaffe ich es nicht rechtzeitig Opilein auf Touren zu bringen und bleibe hängen. Kurz bricht Hektik aus, stehen doch schon vor und hinter uns die ersten Autos. Schnell Fahrerwechsel, einen Fuß auf der Bremse lassen, weil die Handbremse das schwere Auto nicht alleine hält, mit Ralf den Sitz tauschen und er manövriert ihn geschickt rückwärts zurück.

Der Tag zerrt an mir, irgendwie passt es heute nicht, auch wir sind nicht gefeit gegen unbedachte Worte und schmeißen uns in manchen Situationen nicht gerade Nettigkeiten an den Kopf und weil es ja gerade eh schon so komisch ist, falle ich auch noch fast aus dem Führerhaus raus, rutsche mit meinen nassen Sohlen am Tritt ab und stehe dann regelrecht vor dem Auto. So, ich bin durch für heute, könnte heulen.

https://goo.gl/maps/qFm2SNiN2gEd2GfL8

Aire camping Car Cambo Les Bains
8 Chemin Arroka, 64250 Cambo-les-Bains
https://goo.gl/maps/82JmB5Q6bEz7UJMPA
Gebührenpflichtiger Parkplatz, 10 € / Nacht inkl. 10 Min. Wasser und Strom

Über Maren Huber

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Mein Mann Ralf und ich haben im Juni 2017 unsere Firma verkauft und sind ins Wohnmobil gezogen. Erstes Ziel war die Insel Lesbos um eine Auszeit zu machen um dann die Europa und die Welt zu erkunden. Ich freue mich auf alle, die uns auf dieser spannende Reise begleiten.

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