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Entlang der Küste ins Mekong Delta

Und nochmal an die Küste

Unsere Tour geht 150 km quer durch das Land, auf fast direktem Weg, Richtung Küste. Nur die beiden Stücke auf den größeren Straßen (QL20 und DT713) sind fast wie Autobahn fahren, zum Glück sind diese Streckenabschnitte recht kurz und wir können schnell wieder auf die Nebenstrecken ausweichen.

Die Landschaft wandelt sich von Abschnitt zu Abschnitt, irgendwann wird der Reis und vor allem die Farmen für Drachenfrüchte immer mehr. Am Ende unserer Tagesetappe fahren wir nur noch durch Drachenfruchtfarmen.

Auf dem vorletzten Etappenabschnitt, auf der QLA1, bei extremen LKW Verkehr, bricht bei Ralf eine Speiche am Hinterrad und wir haben erschreckende 10 Sekunden. Mit einem Plob kündigt sich das ganze an, mir fliegt ein Teil der Speiche um die Ohren, zum Glück hat sie mich nicht getroffen. Dann entweicht mit einem Schlag die Luft aus dem Reifen und ich sehe, und höre vor allem, wie bei Ralf vor mir das Hinterrad ausbricht und er auf dem platten Reifen in den Gegenverkehr driftet.

Glück im Unglück, genau zu diesem Zeitpunkt ist überhaupt kein Verkehr und dank Ralf’s Reaktionsvermögen kommt er auch nicht ins Fallen, sondern schlittert über die Straße. Und wie das Leben so spielt, kommen wir direkt vor einer Werkstatt zum Stehen.

Ich glaube, ich habe noch nie so viele Danksagungen an unseren Schutzengel gesendet, wie heute.

Die restlichen 25 km laufen problemlos durch flaches Land, bis zu unserem nächsten Aufenthaltsort, dem Lara Homestay. Wenn dieser Ort mal komplett fertig ist, wird es ein richtiges Juwel sein. Vieles ist noch Baustelle, die fertigen Bereiche sind geschmackvoll mit Antiquitäten und alten Teilen z.B. aus Abbruchhäusern gebaut und dekoriert.

Den Preis von 700 K / Nacht empfanden wir aus ggb. Umständen etwas zu hoch, dafür hatten wir abends ein wirklich hervorragendes Seafood BBQ für 150 K / Person.

Unfall in Vietnam? Lieber nicht!

Entlang der Küstenlinie geht es 115 km nach Vung Tau. Wir kommen an Sanddünen vorbei, die zum Teil 10 bis 20 Meter hoch sind. Feinster Wüstensand, das sieht schon sehr unglaublich aus, eben hast du noch Dschungel und jetzt stehst du gefühlt in der Wüste. Die Straße schlängelt sich angenehm zwischen Orten und Küste dahin.

Irgendwo auf halben Weg kommen wir an einer Unfallstelle vorbei. Der Unfall muss unmittelbar zuvor passiert sein. Wir waren mit zwei anderen Rollern die ersten, die hier vorbeigekommen sind. Ein Auto war ungebremst auf einen Lampenmast geknallt. Die Wucht des Aufpralls hat das Auto um die eigene Achse gedreht und ist in Gegenfahrrichtung zum stehen gekommen. Der Mann hintern Steuer war in seinem Auto eingeklemmt.

Was jetzt geschah wäre auf deutschen Straßen undenkbar. Schnell standen einige Männer zusammen, die damit anfingen die verkeilte Tür des Autos zu öffnen, es ist schon makaber, wenn du das so als Außenstehender mitbekommst. Ein Kleintransporter mit leerer Ladepritsche hält an, bietet sich an den Verletzten damit ins Krankenhaus zu fahren.

Es dauert gefühlte Ewigkeiten, bis sie den Mann aus dem Auto befreit haben und ihn tatsächlich auf den Kleintransporter legen und wegbringen. In der Zwischenzeit ist auch sowas wie die Polizei aufgetaucht. Wir fahren weiter.

Wir übernachten im Sun Lake Hotel (295K / Nacht). Eigentlich wollten wir am nächsten Tag gleich weiter, aber unserer Motorräder streiken ein wenig und wir wollen vorher noch nach ihnen schauen lassen. Außerdem suchen wir noch nach einer Fährverbindung auf die andere Seite.

Vung Tau – Mekong Delta wir kommen

Es steht einiges auf unserem Tagesplan, als erstes fahren wir zu einem Mechaniker (die Adresse hat uns am Abend zuvor ein Engländer gegeben, der mit seiner Familie hier wohnt). Bei meinem Bike lassen sich die Gänge schlecht bis gar nicht schalten – aber das war nur eine Einstellungssache und wir konnten mit meinem Bike gleich weiter.

Bei Ralf kam so ein bisschen das eine zum anderen; erst bekam das Hinterrad einen kompletten Satz neuer Speichen, dann noch ein neues Kugellager. Und weil es ja gerade so schön beim Service war, war nach dem Mittagessen der Vorderreifen platt – also auch noch einen neuen Schlauch.
So, jetzt ist aber genug mit Bikes richten, das muss reichen bis wir sie in Ho-Chi-Minh verkaufen.

Die restliche Zeit haben wir noch genutzt um uns den Leuchtturm, 1910 von den Franzosen gebaut, anzuschauen und auch die gegenüber liegende Jesusstatue. Links und rechts von der Jesusstatue stehen noch Geschützbatterien aus der Zeit der Franzosen – das empfanden wir schon als etwas makaber. Man sagt, die Jesusstatue ist 6 Meter höher als die in Rio. Das müssen wir mal checken.

Fähre oder Landweg?

Wir hatten es uns so schön zurechtgelegt. 2,5 stündige Überfahrt mit der Fähre und dann angenehme 60 km zu unserem nächsten Halt. ABER wir haben nicht damit gerechnet das a) Google uns eine Fähre anbietet, die gar nicht existiert und b) wir als Ausländer, auf keiner der hier abgehenden Fähren, mit unseren Bikes mitgenommen werden.

Also blieb uns gar nichts anderes übrig, als den Umweg über Ho-Chi-Minh Stadt zu nehmen – mal eben 120 km mehr. Und die ersten 90 km können wir nur die QL51 nehmen, ein 6-spuriger Highway. Wir sind extra früh aufgestanden um bei den ersten Kilometern schnell Strecke machen zu können. Der Berufsverehr kommt schnell genug auf uns zu.

Wir fressen Kilometer und Staub! Die fast 200 Kilometer haben es in sich. Ich glaube wir hatten noch keine Tour, die so viel Verkehr und soviel Dreck hatte. Es ist keine schöne Strecke, wir sind ziemlich geschafft, als wir ankommen – genug für heute.

Dafür haben wir uns eine kleine Oase als Ruheort für heute rausgesucht, die Happy Farm (550 K/Nacht). Wir hatten eine urige Bambushütte, die Dusche war im Freien – einfach chillig.

Mekong – so anders

Wir sind im Mekong Delta angekommen, dem dichtbesiedelsten Bereich in Vietnam. Vor allem sind wir nun in einer Landschaft, in der die Kokosnusspalme alles dominiert. Hier werden die leckeren Kokosnussbonbons hergestellt, an denen wir auch nicht vorbeigehen können. Die müssen wir unbedingt probieren.

Wasser dominiert hier noch mehr als im restlichen Vietnam. Wir fahren heute einige kleine Nebenstraßen und Verbindungsstrecken, so idyllisch war es seither selten. Links oder rechts kleine Wasserkanäle, und wohin du schaust Palmen, Palmen, Palmen. Und zwischendrin ist Mopedwaschen angesagt für sagenhafte 15K pro Bike.

Trà Vinh ist anders, es hat einen Moment gedauert, bis wir den Unterschied bemerkten. Es gibt hier keine Autos – tatsächlich haben wir heute Abend genau eines gesehen. Das macht die Stadt sympathisch. Wir übernachten im Gia Hoa Hotel (320 K/Nacht).

Schreck am Morgen

Der Tag fing mit einer bösen Überraschung an, wir sind wohl im Hotel, bestohlen worden. Gestern, vor dem Einchecken waren wir noch bei der Bank und haben 2 Mio Dong abgehoben. 1,5 Mio Don g (ca. 55 Euro) waren mit unseren Reisepässen zusammen in Ralfs Tasche. Wir nehmen an, dass der Mann an der Rezeption das Geld gesehen hat, als Ralf die Pässe rausgenommen hat.

Ankommen, duschen, zum Essen ausgehen, die Tasche dieses Mal nicht mitgenommen (was wir eigentlich immer machen) und am nächsten Morgen war das Geld weg – sehr seltsam. Und natürlich kann der A… an der Rezeption plötzlich kein Englisch mehr – passt doch zusammen, oder?

Aber was sollen wir machen, zum Glück war es ja relativ wenig Geld – dafür gibt’s mal so richtig schlechte Bewertungen auf Google und Tripadvisor.

Über Maren Huber

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Mein Mann Ralf und ich haben im Juni 2017 unsere Firma verkauft und sind ins Wohnmobil gezogen. Erstes Ziel war die Insel Lesbos um eine Auszeit zu machen um dann die Europa und die Welt zu erkunden. Ich freue mich auf alle, die uns auf dieser spannende Reise begleiten.

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