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„Was machst du jetzt?“ oder die Frage nach dem … und jetzt?

Wann geht´s los? Wie geht´s euch? Seit ihr nicht die, die alles hinter sich gelassen haben? Wie macht man das? Wie lebt ihr denn überhaupt? Wie, ihr geht nicht zurück in ein Haus/Wohnung? Ihr lebt auf der Straße? Echt, nur auf 11qm? Geht das mit deiner Frau auf so kleinem Raum? Wie macht ihr das? Was tust du den ganzen Tag? Nix mehr arbeiten? Das wird doch langweilig, oder?

Viele Fragen prasseln die letzten Wochen auf uns ein. Eine der besten Fragen für mich war, „Warum machst du das?“
Eine für mich nicht mehr relevante Frage war: Und deine Rente? Du brauchst doch für später eine Sicherheit!

Was ist sicher, war meine Antwort. Auf meinen Reisen habe ich viele Menschen kennengelernt. Klar, wenn du bei fremden Menschen in deren Wohnungen übernachtest, wie wir es auf unserer dreimonatigen Mopedtour durch Vietnam oder unserem vierwöchigen Israeltrip gemacht haben, kommst du schnell mit Land und Leuten in Berührung. Und die meisten Menschen sind auf der Suche nach Sicherheit. Klar, das gehört zu unseren ursprünglichsten Bedürfnissen. Das ist regelrecht genetisch in uns verankert. Dazugehören, sicher sein, genau so wie Essen und Trinken.
Ich habe in heutigen Zeiten aufgehört, mich auf die Zukunft zu konzentrieren. Klar, darf ich meine Ziele verfolgen und planen. Jedoch heute, mit knapp 50, die ganze Zeit auf die Rente zu schielen empfinde ich als unsinnig. Denn wann beginnt Rente? Was ist anders, wenn Rente dann ist? Der alte griechische Herr, der sein ganzes Arbeitsleben den Höchstsatz an Rente (freiwillig mehr) eingezahlt hat und heute nur mit dem Mindestsatz abgespeist wird, hat sich das mit der „Sicherheit im Alter“ bestimmt auch anders vorgestellt.
Mir kam eher die Frage hoch, wie verbringe ich die Zeit „bis zur Rente“ (wann immer das genau sein mag)?

Als wir auf der Insel Lesbos in unserem Wohnmobil am Strand gelebt haben, hatte ich viiiieeeel Zeit. Nach 4 Wochen „Urlaub“ am Meer verlor es schnell an Reiz, abends noch in die Strandbar zu gehen. Auch hatten wir zügig alle touristischen Highlights abgefahren, bewandert und bestaunt. Spätestens als der Sommer dann vorbei war, kam echt auch Langeweile auf. Und diese Langeweile war gut. Dass war der Moment, wo meine Auszeit so richtig begann. Ich durfte mal mein ganzes Leben betrachten. Ich konnte all die Dinge anschauen, die im „alten Leben“ durch Konsum, Beschäftigung, Arbeit, Selbstständigkeit, Hobbies und Freunde überdeckt wurden, übertüncht, zugekleistert, nur nicht draufschauen war oftmals die Devise. Die alten Dichter nannten diese Zeit Müßiggang. Wer hat denn heute in dieser schnelllebigen Zeit die Lust sich mit sich selbst zu beschäftigen? Wie langweilig. Ja, so dachte ich anfangs.
Klar habe ich schon lange Zeit meditiert, war durch die Pallas-Seminare sensibilisiert meine Persönlichkeit zu entdecken, mit mir zu arbeiten. All meine Prägungen anzuschauen, meine „Themen“ zu bearbeiten, mich meinen Zielen anzunähern und an mir zu arbeiten. Doch auf Lesbos hatte ich nur zwei Möglichkeiten. Ich verrecke vor Langeweile oder ich schau drauf. Also schaute ich drauf.
Entdeckte welchen Einfluß meine Eltern auf mein Leben hatten, wo meine Erfahungen aus meiner Kindheit mir heute noch Stolperfallen bereiten, was meinen kleinen Ralfi in mir glücklich macht, wo auch seine Ängste und Zweifel liegen. Es drehte sich viel um Sicherheit, Geld, Zukunftsangst, oder um die Frage: Darf ich das? Kann ich das? Selbstwertthemen, eben.
Diese Zeit war einfach gut. Gemeinsam mit meiner Frau Maren haben wir unwahrscheinlich viel aufgearbeitet und reflektiert. Wenn der eine im Loch saß, konnte der andere helfen. Über die sozialen Medien hatte ich tolle Kontakte zu sehr spirituellen Menschen. Auch hier sind solche Freundschaften enststanden, wo ich mein Herz ausschütten konnte, wo mir innerhalb kürzester Zeit jemand zu Seite stand. Auch aus meinem „alten Leben“ gibt es nach wie vor tolle Menschen, mit denen ich mich jederzeit austauschen kann.
Heute morgen hat eine liebe Freundin einen Post auf Facebook veröffentlicht zum Thema „Angekommen“. Wann bin ich „Angekommen“? Wo bin ich „Angekommen“? Was ist überhaupt „Angekommen“?
Auch ich sehe es wie Melanie, ich werde, seit ich mich auf den Weg begeben habe, nie ankommen. Wo auch? Ich darf tagtäglich neue Erfahrungen sammeln, die teilweise auf Kollisionskurs zu meinen alten Prägungen und Sichtweisen gehen. Ich kann das wegdrücken oder annehmen, die Entscheidung liegt nur bei mir. Da hilft mir niemand. Doch gemeinsam mit all meinen Freunden kann ich mein Leben leben und gestalten. Jetzt. Heute. Frei.

Jetzt geht es zu unserem alten Mercedes Kurzhauber. Wenn dieser innen ausgebaut ist, fahren wir Richtung Süden. Probefahrt machen. Gen Spanien, Portugal und vielleicht nach Marokko. Und dann kommen wir nochmals zurück nach Deutschland. Und dann, ja dann geht es auf die große Reise, einmal um die ganze Welt. In 5 Jahren. so ist es geplant. Ob es so kommt, sehen wir dann.

Bildquelle: Mit freundlicher Genehmigung Frau Ackermann / NWZ Göppingen

Über Ralf Hokenmaier

Ralf Hokenmaier
Nach 20 Jahren Selbständigkeit auf zu neuen Ufern. Was mich anspornt? Gemeinsam mit meiner Frau Maren die Möglichkeit zu nutzen Fremdes, Unbekanntes und Neues zu entdecken. Wir sind jetzt keine klassischen Backpacker, nein, wir versuchen nur, mit unserem Reisebudget angenehm und ohne großen Luxus zu reisen. Wo die Reise hingeht? Keine Ahnung, dass entscheiden wir morgen kurzfristig.... :)

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