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Die drei Schluchten-Tour

Bevor wir uns auf die Tour durch die drei nächsten Täler und Pässe machen, treffen wir uns in Erfoud auf dem Camping Platz Karla mit den Österreichern Michaela und Günther von „Herr Mozart unterwegs“. Das sind die Momente, die ich es liebe, dass es Facebook gibt. Immer wieder sind wir uns in den letzten Wochen nahe gekommen und doch kam es nie zu einem Treffen. Jetzt konnten wir uns endlich mal persönlich austauschen.

Camping Karla Erfoud
Google Standort Camping Karla / 75 DIM / Nacht

Wir starten in Richtung Goulmima, links und rechts ist die Erde überall umgegraben. Es sieht aus, als wenn hier eine große Bautätigkeit wäre, aber das sind die Erdschichten, in denen viele Fossilien gefunden werden und so wird hier kräftig gegraben. Oasen mit kleinen Kasbahs wechseln sich mit der Wüste ab und irgendwann fahren wir durch riesige Dattelpalmenplantagen.

Ich mag diese Durchfahrten, die Palmen und das leuchtende Grün der bewässerten Felder darunter. Es ist irgendwie so friedlich und relaxed. Nach den Plantagen kommen wir auf die Ebene, in denen die alten Fogaras zu besichtigen sind. Das sind unterirdische Wasserkanäle, die früher das Wasser zu den Orten transportiert haben. Heute sind diese alle trocken, einige werden von Ihren Eigentümern in Stand gehalten und können besucht werden.

Und wieder diese Weite, die uns empfängt, irgendwie immer wieder ähnlich, und doch so anders. Stein, Sand, Wüste, Palmen, Hausansammlungen, kleine Orte – immer schön im Wechsel. Es ist Sonntag und die Orte, durch die wir fahren sind wie ausgestorben, manchmal sehen wir keinen Menschen.

Von Goulmima nach Ammelago

Am Eingang der ersten Schlucht zwischen Goulmima und Ammelago, der Rheris-Schlucht, übernachten wir in einem Flussbett. Es ist einfach herrlich, hier staut sich das Wasser zu einem kleinen See. Viele Seerosen wachsen darin und im Hintergrund die Palmen. Hier am Rande der Zivilisation ist es nach Sonnenuntergang absolut still, der Sternenhimmel ist unglaublich klar, wir sehen die Milchstraße.

Meine Gedanken schweifen ab. Die Wüste, die Farben, alles ist so unglaublich meditativ hier. Gedanken werden wieder laut in meinem Kopf, doch endlich nach Lesbos zurückzukehren, um dort Meditation anzubieten – vielleicht nur in den Sommermonaten und dann im Winter weiter mit Opa Theo reisen? Oder im Winter in der Wüste Merzougas? Da wird es wohl noch viel Bewegung in meinem (unserem) Leben geben.

Diesen morgen starten wir für unsere Verhältnisse ungewöhnlich früh. Bereits um halb zehn sind wir unterwegs, um die Rheris-Schlucht hochzufahren. Eher durch Zufall bleiben wir an einem Ort stehen, um Bilder zu machen und entdecken dann gleich neben uns die Quelle, aus der handwarmes Wasser sprudelt. Ein Ziegenhirte macht schnell noch ein Bild von uns und wir versuchen uns irgendwie zu verständigen, was mangels Französisch wieder mal nicht richtig klappt.

Auf dieser Strecke kommt uns fast kein Auto entgegen und schon gar keine Touristen. Es scheint keine beliebte Strecke zu sein, obwohl sie unglaublich schön ist. Ich würde sie jederzeit empfehlen und nochmal fahren. Wir halten an einem Gräberfeld, auf dem wir viele Kindergräber sehen oder auch neuere Gräber von jungen Menschen (meist steht ja nichts an den Gräber – doch hier waren bei einigen die Daten auf einen Stein geschrieben).

Es scheint eine Art Hochtal zu sein, dass dann in die Ammelago-Schlucht übergeht. Das wir uns unmerklich immer höher hochschrauben, bekommen wir fast nicht mit, nur manchmal schnauft Opa Theo ordentlich bei einem Anstieg. Es ist sehr schön hier oben, wir sehen viele Mandelbäume, Kakteen und natürlich Palmen. Die Straße führt immer am Fluss entlang, in jeder Flussbiegung sind Felder angelegt, die fast alle bewirtschaftet sind und durch das Bewässern in kräftigem Grün stehen.

An einigen Orten sind die Häuser, die früher direkt in den Felsen hineingebaut worden sind, noch erhalten, während sich die Neubauten daneben erheben. Diese Gegend ist sehr wasserreich und so halten wir an einer der vielen Quellen und bunkern frisches Wasser. Für uns ist es immer ein gutes Zeichen, wenn die Einheimischen hier ihr Wasser zapfen. Und, obwohl wir ein gutes Filtersystem an Bord haben, könnten wir hier gedankenlos Wasser tanken. Frischer als direkt vom Berg, geht es eigentlich nicht.

Todhra Schlucht

Die nächste größere Stadt ist Asoul, sie kündigt sich durch nichts an. Die Straße macht einen neunzig Grad Knick und wir stehen urplötzlich mitten auf dem Marktplatz. Und was hier los war. Auf die „Leere“ der letzten Stunden fast ein Schock, aber so schnell, wie wir eingetaucht sind, sind wir auch schon wieder draußen. Jetzt geht es langsam, aber sicher wieder bergab, die bekannte Todhra-Schlucht nimmt hier Ihren Anfang.

So unterschiedlich Land und Leute sind, so unterschiedlich sind auch die Straßen. War diese bis hierher in einem super Zustand, haben wir jetzt wieder ausgefransten Asphalt und überall, wo das Wasser den Berg herunterkommt, ausgebrochene und weggeschwemmte Seitenstreifen. Bei Gegenverkehr bleibt kein Platz und so müssen beide Fahrzeuge weit rechts in den Schotter fahren, was für mich als Beifahrer so manchmal Herzklopfen verursacht hat, denn rechts waren keine Leitplanken und es ging doch oftmals steil bergab.

Immer wieder für mich unverständlich ist das Leben der Nomaden. Wo wir überall Hütten gesehen haben, einfach im Nirgendwo hingestellt, so auch hier in diesem Niemandsland. Wir sehen einige Nomaden, die in Höhlen direkt neben dem tiefen Flussbett wohnen. Einfach ein paar Steine aufgeschichtet, eine Decke oder Plane davor – Wohnung fertig.

Bevor es endgültig für uns in die Todhra-Schlucht geht, halten wir in Ait Hani. Dieser Ort ist für die meisten Touristen der Umkehrpunkt, wenn sie die Todhra-Schlucht von der anderen Seite aus erkunden und so ist hier alles schon wieder etwas mehr auf Touristen eingestellt, was sich auch gleich an den Preisen bemerkbar macht. Bevor wir die eigentliche Schlucht endgültig passieren halten wir noch kurz an einem Kletterspot an und fahren dann in die Schlucht hinein. Die Fahrt ist kurz und, obwohl es ein wenig wirkt wie Petra in Jordanien (der Zugang zum Schatzhaus), ist sie doch groß und breit genug, um sogar Reisebusse durchzulassen.

Unmittelbar nach der Schlucht stehen ziemlich viele Hotels, in der Hochsaison ist hier wohl sehr viel los, da dies ein bekannter Tourispot ist. Uns persönlich hat die Rheris-Schlucht besser gefallen, aber wenn man schon in Marokko ist, so darf man auch mal einen Tourispot besuchen. Es ist nicht wirklich viel los, als wir hier durchfahren.

https://youtu.be/7qehTAUUqUI

Dades-Schlucht

Eigentlich wollten wir ja oberhalb der Todhra-Schlucht den Pass in die Dades-Schlucht überqueren, doch andere Reisende hatten uns gewarnt und berichtet, dass der Pass noch gesperrt sei wegen der Schnellfälle der letzten Tage. So bleibt uns gar nichts anderes übrig als über Tinghir nach Boulmane zu fahren, um in die Nachbarschlucht des Dades zu kommen. Doch bevor wir weiter fahren kaufen wir noch auf dem wöchentlichen Souk in Tinghir ein. Irgendwo zwischen den beiden Orten, auf halbem Weg übernachten wir, die Fahrt durch die Schluchten hat sich doch recht lang hingezogen und es wird schon dunkel.

Boulmane ist ein recht moderner Ort und liegt quasi am Eingang zur Dades-Schlucht. In endlosen Serpentinen führt die Straße in das Tal hinein. Wir kommen an den Affenfelsen vorbei, und fahren weiter das Tal hinauf, welches jetzt immer enger wird. Und als ich denke, hier geht es nicht mehr weiter, zieht sich die Straße nochmal in engen Serpentinen die Schlucht hinauf. Und höher geht’s, und noch höher, bis wir vor dieser Baustelle stehen. Ich denke, hier sind es über 2000 Meter Höhe.

Rechts geht es zig hundert Meter senkrecht runter. Mir rutscht das Herz sonst wo hin und die Baustelle vor uns ist mega eng. Wir schauen uns das eine Weile an und entschließen doch umzukehren. Da sind wir gerne Hosenscheisser, müssten wir eh diese Engstelle beim Zurückfahren erneut durchqueren. Ohne lange zu überlegen halten wir auf dem nächsten kleinen Plateau, um die Nacht hier oben zu verbringen. Ich kann es jedem nur empfehlen, eine Nacht auf so einem Pass – der Sternenhimmel, einfach unglaublich – aber Achtung! Das macht süchtig und es ist mal richtig kühl.

Bevor wir unser nächstes Streckenziel in Angriff nehmen, halten wir noch zwei Tage an dem Campingplatz Les pattes des Singes, genau gegenüber der Affenfelsen, um Wäschewaschen und ein wenig wandern zu gehen.

Campingplatz Les Pattes de Singes
Google Standort Campingplatz

Kleine Anekdote am Rande

Unser nächstes Ziel ist Zagora und die Wüste Erg Chegaga. Zuerst müssen wir das Tal wieder hinausfahren und nochmal durch Boulmane durch. Kreisverkehre sind in Marokko nicht alle gleich, und dass haben wir dann auch etwas „schmerzhaft“ erfahren. In Diesem hier war rechts vor links und ein eindeutiges Stopp-Zeichen auf unserer Seite. Nur dumm, dass Ralf dies total übersehen hat. Wäre vielleicht auch nicht weiter schlimm gewesen, wenn nicht direkt hinter dem Kreisverkehr die Polizei gestanden wäre. Und zack .. hatten wir einen Strafzettel über sage und schreibe 400 DIM (40 Euro). Auf meinen Einwand hin, wenn wir gleich bezahlen gibt es 50 % Nachlass wurde ich nur milde belächelt – das sei ein Delikt der Stufe 1! Kein Rabatt möglich.

Auf den Schreck sind wir erstmal was Essen gegangen und während wir zu dem Lokal gehen, fahren die Holländer Els, Justin und die Kinder mit Ihrem MAN KAT an uns vorbei. Spontan, wie die beiden sind, haben sie angehalten und mit uns gegessen. Das war richtig schön, die Vier wieder zu treffen.

Über Maren Huber

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Mein Mann Ralf und ich haben im Juni 2017 unsere Firma verkauft und sind ins Wohnmobil gezogen. Erstes Ziel war die Insel Lesbos um eine Auszeit zu machen um dann die Europa und die Welt zu erkunden. Ich freue mich auf alle, die uns auf dieser spannende Reise begleiten.

2 Kommentare

  1. Avatar

    Hallo zusammen! Bin über Renes Seite auf Eure gestoßen. Sehr nett gemacht! Schöne Berichte und Bilder.
    Wir waren mit unserem Womo ebenfalls schon in Marokko aber nur bis Marrakech.
    Eigentlich wollten wir dieses Jahr wieder hin, aber ob das klappt? Momentan kommen wir nicht mal über den Rhein nach Frankreich….
    Guido

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