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Nach 10 Wochen Lockdown verlassen wir Marokko

Wir haben Freitag, den 12.06.2020, wir stehen irgendwo im nirgendwo direkt an der Loire. Es hat die ganze Nacht geregnet und wir liegen jetzt um 12 Uhr mittags immer noch im Bett, trinken Tee und Kaffee. Ralf liest ein Buch und ich versuche mich – auch emotional – von meiner WhatsApp Gruppe „Wagenburg Marokko“ zu trennen. Die Tage bekamen wir schon per eMail eine Nachfrage, ob es uns denn gut gehe, im Blog passiert ja gar nichts mehr. So nehme ich das alles zum Anlass, endlich mal wieder etwas zu schreiben. Der Lockdown hatte auch eine gewisse Starre und Lustlosigkeit in aus erzeugt, so wurden die letzten beiden Blog-Artikel von mir nicht mehr fertig gestellt. Mal sehen, ob ich das in den nächsten Wochen doch noch hinbekomme.

Rückblick

Am 20.03. habe ich den letzten Blog Artikel geschrieben in dem ich ziemlich detailliert festgehalten habe, wie wir den Corona-Anfang in Marokko mitbekommen haben und wie schnell sich alles verändert hat. Wir standen damals bereits fünf Wochen in Tafraout, bevor der Lockdown am 20.03. offiziell erklärt wurde. Das war zwar so nicht geplant, aber wir wollten doch mit Els und Justin noch eine weitere Piste fahren und das Lackieren ihres MAN Kat wurde und wurde nicht fertig – aber das ist eine andere Geschichte.

Fast auf den Tag genau haben wir 10 Wochen im Lockdown verbracht. Im Gegensatz zu den Einwohnern im Ort Tafraout und den vielen Menschen zu Hause, haben wir es hier wohl ziemlich gut erwischt. In unserem unmittelbaren Umfeld stehen 12 Camper und Overlander Fahrzeuge. Wir sind 18 Erwachsene und 9 Kinder die näheren Kontakt pflegen. Von den wenigen anderen sehen wir außer den Fahrzeugen fast nie jemanden.

Die ersten Tage gab es viel Unsicherheit unter uns, da keiner so genau wusste, was denn jetzt wie erlaubt oder nicht erlaubt war. Die Deutsche Botschaft hat uns über den Lockdown und den dazugehörigen Umständen überhaupt nicht aufgeklärt und so müssen wir uns selbst Informationen besorgen. Gut, dass Els als gebürtige Belgierin gut Französisch spricht und so für uns alle die wichtigen Fragen bei den örtlichen Behörden klären kann.

Unsere kleine Gemeinschaft wächst zusammen und arrangiert sich. Geht jemand einkaufen, so werden die Nachbarn gefragt ob man etwas mitbringen kann oder man fährt gleich zusammen per Fahrrad oder Wagen die zwei Kilometer in die Stadt. Tafraout ist coronafrei und binnen weniger Tage wird der komplette Ort mit Militär- und Polizeipräsenz regelrecht abgeriegelt. An jeder Ausfallstraße stehen Sperren und ohne Passierschein kommst du hier nicht rein.

Wir stehen am Ende der Palmeraie, 2 km vom eigentlichen Ort entfernt, hier ist, praktisch direkt neben uns, die erste Sperre und so fühlen wir uns immer ein wenig beobachtet. Aber schlussendlich wollte nie einer der Offiziellen etwas von uns. Das einzig Wichtige für uns war der Passierschein. Ohne ihn wäre es nicht möglich gewesen den Ort mit oder ohne Fahrzeug zu betreten. Dafür mussten wir lediglich zum örtlichen Pacha gehen und uns diesen ausstellen lassen.

Es waren trotz allem schöne 10 Wochen in dieser engen Gemeinschaft, wir haben täglich mit unseren niederländischen Nachbarn zusammen gekocht, und viele Male auch in der großen Gruppe. Hier ein paar Beispiele unserer Kochgemeinschaft:

  • Pizza im selbstgebauten Pizzaofen
  • Carmen kredenzt Knödel und Gulasch
  • Francesco macht Spaghetti Aglio e Olio
  • Ralf kocht Schakschuk

um nur die Highlights zu nennen.

Wir feiern insgesamt vier Geburtstage in dieser Zeit und überhaupt ist es für die Kinder ein Paradies. Sie toben den ganzen Tag. Morgens wird hier in allen Fahrzeugen homeschooling gemacht und danach geht’s „raus“. Fahrradfahren, Baumhäuser bauen, Klettern, Pfeil und Bogen schießen, auf der Slackline balancieren und abends ein Feuer anzünden. Irgendwann werden wir durch Einheimische gebeten, dass die Kinder doch bitte nach 18 Uhr nicht mehr draußen sein sollten. Marokkanische Kinder dürfen seit dem 20.03. (Beginn des Lockdown) die Häuser nicht mehr verlassen.

Die Auflagen während des Lockdowns

  • Reise- und Fahrverbot
  • Ausgangssperre zwischen 18 Uhr abends bis 06 Uhr morgens (während des Ramadan wurde das verändert von 19 Uhr bis 05 Uhr)
  • seit 07.04. Maskenpflicht beim Einkauf im Supermarkt und auf dem Wochenmarkt.
  • Geöffnet haben nur Geschäfte des täglichen Bedarfs, kein Friseur, Restaurant oder Café

WhatsApp-Gruppe Wagenburg Marokko

Schnell bin ich durch meinen Kontakt zu meinem Ansprechpartner bei der Botschaft – Jörg Grotjohann – in der Gruppe auch zum Sprachrohr für viele Anliegen geworden aber auch zum Überbringer von Informationen, wie z.B. man an Passierscheine kommt oder wie es mit den angekündigten Reparationsfähren nach Europa vor sich geht.

Jetzt, nach drei Monaten und einigen Fähren, die gestrandete Europäer aus dem Land gebracht haben, wird es langsam Zeit sich zu verabschieden. Auf der einen Seite ist es jetzt einfach genug und auf der anderen Seite fällt es schwer. Ich werde mich wohl mit Herrn Grotjohann nochmal kurzschließen und dann den Admin Posten endgültig räumen. Jemand, der sich noch im Land befindet, ist sicher besser dafür geeignet. Ich mag diese Gruppe. Über 200 deutschsprachige Camper waren dort organisiert. Es gab für mich während des Lockdowns ordentlich was zu tun. Viele Fragen kamen auf und so hatte ich gewisse Routinen, die mir gut taten.

Zurück in Europa – Kulturschock Spanien –

Wir hatten nicht viel Zeit, um zu entscheiden, ob wir die nächste Fähre nach Europa nehmen wollen oder nicht. Ralf wäre gerne in Marokko geblieben, aber ich habe mich schlussendlich durchgesetzt. Es war eine seltsame Zeit. Die erste Sommerhitze klopfte in Tafraoute an und von heut auf morgen verliesen einige unserer Nachbarn die Palmeraie mit den ersten Fähren. So auch unsere Niederländer mit den Kindern. Bei der Hochzeit von unserem Sohn Ende Juni möchte ich natürlich in Deutschland sein und keiner weiß ob es noch mehr Fähren geben wird oder ob das jetzt die endgültig Letzte sein wird.

Also fahren wir die 1000 km in vier Tagen. Circa 200 km vor dem Hafen Tanger Med fängt Opa Theo an zu zicken, er nimmt das Gas nicht mehr richtig an und fährt nur noch im vierten Gang bei Vollgas richtig ruhig. Aber er bleibt uns treu und so kommen wir als Letzte in den Hafen und sind dann auch die Letzten, die auf die Fähre fahren – echt gutes Timing.

Am Dienstag, den 21.05. und vier Stunden später sind wir dann zurück in Europa. Zielhafen war Malaga in Spanien. Nach dem harten Lockdown und den wenigen Menschen, denen wir in Marokko die ganze Zeit begegnet sind, ist die Ankunft hier für uns ein Schock. Die Menschen flanieren durch die Straßen, die Cafés und Restaurants sind gut besucht. Es ist auch für die Spanier ein neues Freiheitsgefühl, sie waren jetzt fast drei Monate daheim, durften nur nach draußen, um einzukaufen oder um zum Arzt zu gehen.

Und trotzdem erschreckt es mich, wie hier die Maskenpflicht ausgelegt wird. Du gehst mit einer Freundin flanieren und trägst Maske, du setzt dich mit der gleichen Freundin in ein Cafe – du legst die Maske ab. Du joggst oder fährst Fahrrad – du trägst keine Maske, du gehst an den Strand zum Baden – du trägst Maske .. um nur einig Beispiele zu nennen.

Wir fahren relativ zügig durch Spanien durch, denn nicht überall sind wir willkommen. Zweimal werden wir kontrolliert, einmal weggeschickt, einmal geduldet. Wir sind froh als wir Frankreich erreichen, es ist merklich ruhiger und gelassener hier. Die Menschen hier tragen Maske, wenn sie es denn wollen. Lediglich die Leute in den Geschäften tragen meist eine und auch dort nicht konsequent. Gemütlich tuckern wir mit längeren Stopps jetzt in Richtung Deutschland.

Am Freitag, den 19.06. überqueren wir die Rheinbrücke zwischen Straßburg und Kehl, Deutschland hat uns wieder.

Über Maren Huber

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Mein Mann Ralf und ich haben im Juni 2017 unsere Firma verkauft und sind ins Wohnmobil gezogen. Erstes Ziel war die Insel Lesbos um eine Auszeit zu machen um dann die Europa und die Welt zu erkunden. Ich freue mich auf alle, die uns auf dieser spannende Reise begleiten.

2 Kommentare

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    So Maren und Ralf euch sind wieder 10 tagen in der heimat viel dpas fort und auch noch bei der Hochseit eure sohn . Ich habe gistere von eine Hollander gelesen die ist seit der ausbruch von de corona in Iran vest und die dind auch met merderen dort mit 7 oder 8 stuk overlanders und rundherrum sind alle grensen du sie hatten bei de ambasaden nach geruffen ob sie nach der Turky fahren konden und ach der Stan landeren sind alle du . Sei froh das ihr wieder du hausen sind tusch lg Jan

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      Lieber Jan,
      ja es ist wirklich gut, daß wir Marokko doch verlassen haben. Wir haben zu einigen Deutschen im Ausland Kontakt und es ist nicht überall gut zu sein im Moment und doch sind sie alle gewissermaßen „gefangen“ und können nicht weg.
      Lg Maren

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