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Unser Abenteuer Marokko beginnt

Es ist der 03.01.2020 und wir haben unser Ziel, Algeciras in Südspanien mit einer Verspätung von einem Monat, doch erreicht. Wie alle Marokkoreisende holen auch wir unsere Fährkarten bei Carlos und als Zugabe gabs noch Geschenke, eine Rolle Kekse und Sekt. Den Nachmittag haben wir genutzt, um beim Lidl und Carrefour nebenan alles Notwendige einkaufen (ich habe noch nie so lange Reihen mit Bier in allen möglichen Varianten gesehen), und dann kann es losgehen. Den Abend haben wir bei ArtischockenRisotto und einem leckeren Weißwein mit einem Paar aus den Niederlanden verbracht. Auch sie sind auf dem gleichen Weg wie wir.

Die Überfahrt, bei bestem Wetter, dauert 1,5 Stunden. Man kann sich kaum vorstellen, dass wir nun Europa verlassen. Das spanische Festland begleitet uns noch lange und schon ist Marokko und unser Ankunftshafen Tanger Med in Sicht. Zwischendrin hatten wir noch Begleitung von einer ganzen Menge Delphine, die immer wieder über die Wellenberge der Bugwelle der Fähre gesprungen sind.

Von Tanger Med nach El Jebha

Bevor wir uns in das Abenteuer Marokko stürzen kehren wir als allererstes bei Susanne in Tétouan ein, sie hat dort mit Ihrem marokkanischen Ehemann ein Restaurant eröffnet. Hier hat eine Freundin vor 4 Wochen unsere Sandbleche deponiert, die ich noch schnell von Spanien aus bestellt habe, nachdem die, die wir dabei haben, sich als untauglich für 7,5t herausgestellt hatten.

Susanne freut sich über jeden deutschsprachigen Besuch und so verbringen wir den restlichen Tag hier mit ihr, erfahren noch einiges an Wissenswertem über Marokko und können auf Ihrem Parkplatz auch die Nacht verbringen. Das Essen ist bei ihr sehr zu empfehlen.

Restaurant Argovia Tétouan
Google Link zum Standort Restaurant Argovia

Da es uns nicht so sehr an die Atlantikküste zieht, an der viele Europäer Ihren Winter verbringen, starten wir in Richtung Osten immer an der Küste entlang bis nach El Jebha. Links das Meer und rechts das Rif-Gebirge das zum Teil abenteuerlich steil in Richtung Meer abfällt. Die Straße ist relativ gut ausgebaut, so ist das Abenteuer eher links und rechts zu finden.

Irgendwo auf der Strecke halten wir für einen Kaffee an und schon steht der Erste am Auto. Where you from? Do you want smoke? I have good smoke .. Danke nein, kein Interesse. Willkommen im Kif- äh Rif-Gebirge.

Was mir sofort auffällt, ist dass die Tiere hier alle frei herumlaufen, nirgends gib es Zäune, alles wirkt friedlich und langsam. Wir kaufen ein riesiges Fladenbrot in Lenkradgröße für 5 DIM bei Bäuerinnen am Straßenrand und sehen andere beim Waschen der Kleidung im Fluss zu. Ein Schuss fällt, links von uns wurde ein Hund erschossen und weil er noch zuckte gleich nochmal mit dem Auto zweimal drübergefahren.

Unglauben, Schock, sowas kennen wie einfach nicht. Der „Jäger“ hat schon den nächsten Hund im Visier, schießt und verletzt ihn nur. Und dann rennt der Hund direkt auf uns zu, links am Auto vorbei und der Typ schießt nochmal. Wir praktisch zwischen dem Hund und ihm. Boah, ich weiß nicht, was alles in diesem Moment durch meinen Kopf gegangen ist, sowas ist mir noch nie untergekommen.

Gut, andere Länder, andere Sitten. Hier gibt es noch Tollwut und möglicherweise ist das Erschießen die durchaus beste Möglichkeit, doch ob das allerdings passieren muss, wenn wir da gerade stehen?! Später ist der Schütze uns nochmal begegnet, mitten in der Stadt. Auch dort hat er auf einen Hund geschossen und unendlich viele Leute sind drum herumgestanden, die haben noch nicht mal gezuckt – vielleicht sehen sie sowas öfters?!

In El Jebha angekommen suchen wir uns ein nettes Plätzchen am Strand, wo wir leider nicht über Nacht stehen bleiben dürfen. Das Militär bezieht hier in regelmäßigen Abständen über Nacht Stellung, sie gehen jetzt massiv gegen den Schmuggel vor – der übrigens von beiden Seiten aus läuft. Spanien – Marokko, Marokko – Spanien.

Öffentlicher Parkplatz El Jebha
Google Link zum Standort Parkplatz

Von El Jebha nach Chefchaouen

Bevor wir losfahren laufen wir noch in den kleinen Ort, schauen dem Treiben im Hafen zu, werden von allen möglichen Leuten angesprochen, willst du dieses oder jenes kaufen, lernen einen Englischlehrer kennen der lange in Deutschland gelebt hat und wundern uns über die Art, wie die Leute hier leben. Bevor wir ins Gebirge hineinfahren, tanken wir nochmal voll und sind überrascht wieviel Diesel unser Tank fassen kann, wenn das Auto schräg nach hinten steht. Zum Glück geht es gleich die Berge hoch, denn bei der Menge wäre der Inhalt sicher zum Deckel wieder rausgetropft.

Meter um Meter kämpft sich Opa Theo das Rif hoch, die Straße wechselt von gut ausgebaut, zu ausgefranst, zu Piste und wieder zurück. Was jetzt noch abenteuerlich auf uns wirkt, ist eine Stunde später schon Normalität. Hier werden viele getrocknete Früchte und Bohnen angeboten, praktisch an jeder Ecke ist ein Stand, der letztendlich immer dasselbe verkauft.

Was uns schon in anderen arabischen Ländern aufgefallen ist, ist auch hier an der Tagesordnung. Überall, auch im Nirgendwo, steht plötzlich jemand an der Straße und wir fragen uns, wo kommt denn der jetzt her? Aber in diesem Land wird noch viel zu Fuß gegangen, oft über viele, viele Kilometer.

Wo immer wir an Menschen vorbeikommen, sehen wir die typischen Handbewegungen die fragen: „Willst du Kif?!“. Mit der Zeit gewöhnen wir uns dran, manchmal versuchen sie uns auszubremsen indem sie direkt vor uns anhalten, strecken die Joints zum Fenster raus aber immer freundlich, nie aufdringlich, ein freundliches Nein, ein Lachen, ein Hallo und Ade .. wir fahren weiter.

Aus der kargen landwirtschaftlichen Gegend werden jetzt Korkeichen- und Steineichenwälder, stellenweise sieht es aus wie im Schwarzwald. In unendlich vielen Kurven steuern wir der blauen Stadt Chefchaouen entgegen und dann liegt sie plötzlich vor uns. Drei Tage werden wir auf dem örtlichen Campingplatz bleiben, hier treffen wir auch einige Marokkofahrer wieder, die mit uns auf der Fähre waren.

Obwohl ein touristischer Hotspot, empfängt uns die kleine überschaubare Medina mit Ruhe und Gemütlichkeit. Auf dem Platz vor der Kasbah ist zwar etwas mehr los, aber es ist alles sehr unaufgeregt und wir genießen frisch gepressten Orangensaft. Auf dem Rückweg durch die Gassen zum Campingplatz kaufen wir zwei kleine Teppiche für Opa Theo, denn hier sind wir in der Hochburg der Teppichweberei. Die Zeit scheint hier still zu stehen, das Weben ist noch Handarbeit, mit Webstuhl und Schiffchen.

Campingplatz Chefchaouen
Google Link zum Campinglatz Azila

Chefchaouen – Ouezzane – Barrage al Wahda

Die Landschaft wandelt sich weiter, Streckenweise haben wir das Gefühl auf der Schwäbischen Alb zu sein, dann wieder im Schwarzwald oder in der Toskana. So wie sich die Landschaft ändert, ändern sich die Angebote an der Straße. Honig, Feigen und Oliven wechseln sich ab. Irgendwann stehen wir an einer Art Grenze, vermutlich war hier mal die Kolonialgrenze zwischen Frankreich und Spanien.

Wir sind Exoten, wo immer wir mit unserem Auto vorbeikommen, winken und freuen sich die Menschen. Meist fährt Ralf, aber immer wieder sitze auch ich hinterm Steuer. In einem der wenigen Orte kaufen wir Obst und Gemüse für kleines Geld ein (3 kg für ca. 3 Euro), beim Anhalten fällt einigen Männern regelrecht die Kinnlade runter .. steigt da doch eine Frau aus der Fahrerseite aus .. Frauen am Steuer eines Autos sind in Marokko selten, im LKW wohl eher unbekannt.

Unser Weg führt uns nun von der Hauptstraße weg in Richtung Marokkos größtem Stausee, dem Barrage El Wahda. Jetzt wird sie abenteuerlich, die Straße. An vielen Stellen ist sie unterspült und abgesackt, oft sehen wir die Verwerfungen der Straße zu spät und Opa Theo macht ganz schöne Sätze. Hinten im Aufbau fallen dann meist die Kisten über dem Bett raus, aber sonst kommen wir immer heil an.

Direkt am See gibt es nur einen größeren Platz, der einigermaßen gerade ist, aber hier liegen so viele Scherben, dass wir davon ausgehen das die Jugend hier Party feiert. Also fahren wir weiter und halten irgendwo in einem Olivenhain, um zu übernachten. Es dauert keine zehn Minuten, da kommt schon der erste vorbei und im Laufe der nächsten Stunden, wohl das halbe Dorf.

Einfach mal Neugierig sein, etwas Käse verkaufen wollen oder einfach nur um zu schauen. Es klopft, ein kleiner Junge steht vor der Tür. Bevor Ralf reagieren konnte wirft er ein kleines, wenige Wochen altes, Kätzchen in unser Auto. Neugierig wie es ist, läuft es gleich in alle Ecken. Kleine Tiere sind ja sooo putzig, schweren Herzens gebe ich ihm das Kätzchen zurück, dass er natürlich nicht zurückhaben will. Aber wir bleiben hart, was sollen wir denn mit dem kleinen Wollknäuel im Auto?

Über Maren Huber

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Mein Mann Ralf und ich haben im Juni 2017 unsere Firma verkauft und sind ins Wohnmobil gezogen. Erstes Ziel war die Insel Lesbos um eine Auszeit zu machen um dann die Europa und die Welt zu erkunden. Ich freue mich auf alle, die uns auf dieser spannende Reise begleiten.

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