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Weg von der Küste – Spaniens Hinterland

Da wir ja schon im Trödelmodus sind, beschließen wir nicht länger an der Küste entlang zu fahren, sondern uns langsam in das Hinterland in Richtung Granada zu begeben. Kurz nach Almeria erreichen wir die Gegend von Roquetas de mar. Ich glaube ich habe noch nie so viele Gewächshäuser gesehen, wie auf diesem Fleckchen Erde.

Wir fahren Kilometer an Kilometer an einer glitzernden Fläche entlang, die im ersten Augenblick so aussieht, als sei sie das Meer, nur ab und an durchbrochen durch ein Hochhaus. Naja, irgendwo müssen die Arbeiter ja auch wohnen. Ganze Berge wurden hier begradigt, nur um noch mehr Gewächshäuser zu errichten. Stellenweise riecht es penetrant nach Spritzmittel.

Gefühlt dauert es Stunden, bis uns endlich die Gewächshäuser verlassen und wir uns der Hochebene der Alpujarras nähern. Als wir den ersten tollen Blick in dieses grüne Tal werfen können, halten wir spontan an einem Feldweg an, um das Panorama ganz in Ruhe anzusehen und einen Kaffee zu trinken. Gerade wollen wir weiterfahren als ein deutsches Auto bei uns hält und Micha und Conny mit einem Schwätzchen nett aufhalten. Die beiden sind schon vor 20 Jahren in die Alpujarras ausgewandert und hatten früher auch einen Kurzhauber und mussten einfach anhalten, um mit uns ein paar Worte zu wechseln.

Unsere nächste Anlaufstation soll der Bergort Trevelez sein. Nur, bis wir dorthin kommen, führt uns die Straße immer am Hang entlang von Ort zu Ort. In einem dieser vielen kleinen Örtchen halten wir an, um zu essen. Eine Dorfkneipe direkt an der Straße gelegen, hat ganz laut geschriehen“ Komm zu mir .. hier gibt es einen ausgezeichneten Eintopf.“ Das ist es, was wir so lieben, diese ursprüngliche und einfache Küche, die es auf dem Land noch gibt.

Die Straße führt uns immer an der Parkgrenze zur Sierra Nevada entlang, immer höher schraubt sie sich den Berg hoch, irgendwann hören auch die Leitplanken auf. Das kann ich ja nicht so leiden, aber daran darf ich mich wohl gewöhnen, denn mit Opa Theo werden wir noch viele Wege ohne ausreichende Absicherung fahren. Die Landschaft wird jetzt etwas einseitiger, hier oben wachsen fast nur noch Ginster und Steineichen.

Und dann haben wir ihn erreicht, den höchstgelegenen Ort Spaniens – Trevelez (etwas über 1500 M/NN). Wer von Trevelez spricht, der spricht unweigerlich von spanischem Serrano Schinken. Der Ort ist gefühlt eine einzige Schinkenfabrik. Die trockene Luft hier oben begünstigt die Herstellung dieser Art Schinken, Serrano bezeichnet die Machart, nicht die Qualität des Fleisches, und so steht hier ein Trocknungshaus neben dem anderen. Wir bleiben zwei Nächte, stehen hier am örtlichen Campingplatz, um auch unsere Wäsche zu waschen.

Camping Platz Trevelez
Google Link zum Standort Campingplatz Trevelez

Weiter geht unsere Tour durch die weißen Dörfer bis nach Orgiva. Gefühlt ist das der Ort mit der größten Hippie Kommune überhaupt. In der ganzen Stadt sehen wir die Hippies, wobei wir glauben, dass viele hier inzwischen in der Stadt in Wohnungen oder Häusern wohnen. Vor vielen, vielen Jahren hat hier ein schwules englisches Pärchen ein Stück Land gekauft, auf dem jeder wohnen und sich einrichten darf. Neugierig wie wir waren, haben wir uns das auch angeschaut. Puh, wie jemand freiwillig da oben in der Schlucht wohnen kann, keine Ahnung. Die viele, zum Teil, jungen Menschen haben auf uns einen Eindruck von Perspektivlosigkeit gemacht. So richtig glücklich sah keiner von denen aus, schnell weg hier.

Auf dem Weg nach Granada halten wir nochmal ganz entspannt an einem Stausee, denn in der Peripherie einer Großstadt macht es uns auch keinen Spaß zu stehen und wegen einer Nacht auf den Campingplatz, muss auch nicht sein.

Aparcamiento Presa de Béznar
Google Link zum öffentlichen Parkplatz

Opa Theo braucht einen Elektriker

Nachdem uns ja in Frankreich schon der Wischermotor durchgebrannt war, haben uns in den letzten Tagen erst die Hupe und dann die Positionslichter verlassen. Die dazugehörige Sicherung brennt sofort durch wenn wir sie ersetzen. Für uns also ganz klar, jetzt brauchen wir einen Elektriker, der sich das mal anschaut. Nächster Halt: Industriegebiet Granada.

Gar nicht so einfach, in einem Industriegebiet, in dem es von Firmen die Dinge rund ums Auto anbieten, den richtigen und geeigneten KfZ-Elektriker zu finden. Aber beim vierten Anlauf werden wir fündig und mit der Hilfe vom ADAC Übersetzungsdienst schaffen wir es auch uns zu Verständigen und einen Termin zu vereinbaren.

Um das Wochenende zu überbrücken fahren wir nochmal an die Küste, der Strand von Motril bietet einen recht netten Parkplatz, auf dem wir regelrecht im Grünen stehen. Es ist ziemlich windig, aber zwischen den Palmen stehen wir sehr geschützt. Im Hinterland von Motril sehen wir wieder viele Mandelbäume und Walnussplantagen. Obwohl beides Nussarten sind, haben die Walnussbäume noch alle Blätter, währen die Mandeln bereits kahl sind.

Öffentlicher Parkplatz Playa Granada
Koordinaten 36.716009, -3.554282

Montags bringen wir Theo zum vereinbarten Zeitpunkt zu dem Elektriker, lassen ihn dort stehen und fahren mit der S-Bahn in die Stadt, um die Alhambra zu besuchen. Noch traue ich dem Spanier ja noch nicht (vielleicht sind das auch so typische Vorurteile ..), mal sehen ob heute Abend irgendetwas repariert ist.

Wir lassen uns durch die Stadt treiben, besuchen die Alhambra, gehen irgendwo lecker eine Kleinigkeit essen und fahren zurück zu unserem Oldtimer. Und wiedererwarten wurden wir überrascht. Theo steht in der Garage und .. alles funktioniert wieder – auch unser Scheibenwischer. Nicht der Wischermotor war durchgebrannt, sondern der Vorwiederstand der 24V auf 12V runterregelt. Wir sind glücklich, zahlen 200 Euro und zuckeln von dannen.

Es soll vier Tage regnen, also beschließen wir hier in Granada zu bleiben, suchen uns einen netten Campingplatz etwas außerhalb der Stadt, mit gutem WiFi und Waschmaschine. Ich entdecke die Werbung für eine Flamenco-Show in der Stadt, die in einem Lokal in der Stierkampfarena ansässig ist und buche spontan. Wir hatten einen netten Abend, mit Show und leckerem Essen.

Camping Reina Isabell
Google Link zum Standort Campingplatz Grenada

Unsere Fahrt geht weiter in Richtung Antequera. Jetzt sind wir in DER Olivenproduktionsregion Spaniens schlechthin angekommen. Links und rechts gibt es fast nichts außer Olivenplantagen. Nirgendwo gibt es auf der Welt größere zusammenhängende Olivenhaine wie hier. 20% der weltweiten Olivenölproduktion wir dort hergestellt. Das wohl interessanteste neben der quirligen Altstadt ist der gegenüberliegende Berg, der wie ein liegender Indianerkopf aussieht.

Von hieraus fahren wir in die Berge um den Nationalpark „El Torcal“ zu besuchen. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer Herder wilder Pferde vorbei und wiedermal sind wir begeistert, wie viele Tiere wir hier in Spanien in freier Wildbahn entdecken.
Wir durchqueren die wilde Landschaft dieses Felsengebirges, amüsieren uns über die Gesichter und Figuren die wir meinen zu sehen und übernachten unterhalb des Parks auf einem Parkplatz mit wunderbarer Sicht in Richtung Meer.

Öffentlicher Parkplatz 29200 Antequera, Málaga, Spanien
Koordinaten 36.962143, -4.514937

Die weißen Dörfer Andalusiens

Die Weihnachtstage verbringen wir ganz relaxed an dem Stausee Penarrubia. Eigentlich hatten wir ja geplant den Caminito del Rey zu laufen, aber die Tickets waren bis weit nach Neujahr ausgebucht und so lassen wir ihn links liegen und fahren weiter.

Wir folgen jetzt der Route der weißen Dörfer und unser nächstes Ziel ist Ronda. Unserer Meinung nach wird Ronda total überbewertet. Die Stadt war auch jetzt, Ende Dezember, voll mit Touristen. Unsere Empfehlung: Parkt gegenüber der Brücke, auf der anderen Talseite, von dort hat man einen tollen Blick direkt auf die Brücke und nachts ist sie schön beleuchtet.

Weiter geht es nun von Dorf zu Dorf. Unser erster Stopp ist ganz kurz in Setenil. Der Ort liegt malerisch in einer Flusskurve, die Häuser sind zum Teil in den Fels hineingebaut oder schmiegen sich steil in den Hang. Einen näheren Besuch haben wir mangels einem Parkplatz leider nicht gemacht.

Als nächstes taucht Olvera vor uns auf. Ganz markant erhebt sich schon von weitem die alte Burg und daneben die markante Kirche. Der ganze Ort ist den Hügel herumgebaut. Auch hier parken wir außerhalb mit wunderbarem Blick auf die beleuchtete Stadt.

Freies Stehen 11690 Olvera, Provinz Cádiz, Spanien
Koordinaten 36.927959, -5.239809

Zahara ist der nächste Ort auf der Perlenschur der weißen Dörfer. Wir sehen davon ab den Ort zu besuchen, fahren lediglich daran vorbei und suchen uns am Ufer des Stausees einen Platz, um die Nacht zu verbringen. Dies Gegend hier scheint ein beliebte Motorradroute zu sein, es ist ein sonnenreicher Sonntag und Marbella nicht weit weg.

Freies Stehen 11688 Zahara de la Sierra, Provinz Cádiz
Koordinaten 36.836285, -5.380668

Die letzte weiße Stadt auf unserer Rundreise ist Grazalema. Ein netter kleiner, überschaubarer Ort. Hier gehen wir das erste Mal seit langem mal wieder Essen. Die traditionelle Brotsuppe de Grazalema hat es uns angetan. Eigentlich ein „arme Leute“ Essen und doch so schmackhaft und lecker.

Parking Grazalema 11610 Grazalema, Cádiz, Spanien
Google Link zum Parkplatz Standort

Wenn es nach Ralf gegangen wäre, hätten wir noch ewig hier rumgeeiert, aber ich will nun endlich nach Marokko. Also verlassen die den Nationalpark Sierra de Grazalema und fahren durch Korkeichenwälder in Richtung Algeciras.

Kurz vor Gibraltar fahren wir an einen Parkplatz am Strand, hier können wir nachts den schön beleuchteten Felsen der Stadt bestaunen. Mit einem deutschen Paar, welches wir die letzten 2 Tage 5 mal unterwegs beim Fahren zugewunken haben sitzen wir bei Rotwein in unserer Kabine und unterhalten uns sehr angeregt.

Über Maren Huber

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Mein Mann Ralf und ich haben im Juni 2017 unsere Firma verkauft und sind ins Wohnmobil gezogen. Erstes Ziel war die Insel Lesbos um eine Auszeit zu machen um dann die Europa und die Welt zu erkunden. Ich freue mich auf alle, die uns auf dieser spannende Reise begleiten.

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