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Ihr habt ja den Knall nicht gehört!

So, oder so ähnlich waren die Reaktionen auf unser neuestes Projekt. Aber fangen wir ganz von vorne an:

Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, dass wir unser Leben in unser Wohnmobil, den Silverdream gepackt haben und losgefahren sind. Los um für ein Jahr eine Auszeit von unserem bisherigen Leben zu nehmen. So war es angekündigt: Ein Jahr Auszeit – im Nachgang war es ziemlich unfair von uns es so aussehen zu lassen, als ob wir wirklich nach einem Jahr wieder zurückkommen würden. 😊

Vielleicht glaubten wir es ein klitzekleines bisschen ja selbst, dass wir nach einem Jahr Vagabundenleben zurückkehren könnten, zurück zu einem geregelten Arbeitstag, einem normalen Familienleben, mit Garten, Katze und dem Besuch des Cafés um die Ecke.

Heute, an einem Freitag den dreizehnten, am Strand von Nifida auf der Insel Lesbos, sitze ich und schreibe diesen Text mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn die Fähre ist gebucht. Es geht zurück – in 8 Tagen– zurück nach Deutschland – Aber nicht um zurückzukehren, sondern um unser Leben noch einmal komplett umzukrempeln.

Aber lasst mich noch einmal zurück gehen, zurück in den Mai 2017. Da haben wir unser Wohnmobil mit allem was wir mitnehmen wollten bepackt, den Hänger mit den zwei Vespas, Ralfs geliebten Grill und einiges an Werkzeug und Verbrauchsmaterialien.

Vier Wochen sind wir, so als Test, durch Deutschland gefahren um zu schauen ob alles da ist. Um die Frage zu beantworten, ob wir so leben können. Schnell war klar, dass wir viel Zuviel in unserem Womo hatten und speckten nach dieser Tour nochmal ab. Klamotten, Schnickschnack, Dinge die man unterwegs noch kaufen könnte.

Nach sechs Monaten zogen wir das erste Mal Resümee und stellten fest, dass wir soooo viele Dinge an Bord hatten, die wir bis dato nicht einmal angesehen hatten. Unsere Rucksack-Touren haben uns gezeigt mit wie wenig wir zurechtkommen können:

  • Unsere erste Tour: Israel. Jeder mit einem Travel-Rucksack und einem Tagesrucksack .. vieles wurde von uns nicht einmal benutzt.
  • Für die nächste Reise – mit dem Motorrad durch Vietnam – nochmal umdenken, anders packen, noch weniger – und wieder haben wir einiges nach Hause gebracht, dass den Rucksack nur von innen gesehen hatte.
  • Islandhopping mit den Vespas – jeder nur noch mit einem Tagesrucksack bepackt. Und immer noch waren es zu viele Klamotten.

Da standen wir nun vor unserem Wohnmobil und fragten uns – wieder einmal – was machen wir hier eigentlich? Wir haben einen Grill dabei, der nie aus dem Hänger gekommen ist. Ich hatte von meinen geliebten High-Heels 14 Paare mitgenommen – in 12 Monaten hatte ich an genau einem Tag ein Paar an – und das auch nur weil wir das Bedürfnis hatten einmal auszugehen wie früher (das hätte auch mit Treckking-Schuhen gut funktioniert). Und 10 Windlichter, wer braucht denn so was? Meist brennt bei Wind am Meer gar nichts.

Von den vielen Kleidungsstücken, von denen wir dachten, die müssen unbedingt mit, wurde nicht ein einziges benutzt. Hemden, Kleider, unzählige Jacken, verschiedene Schuhe, Winter- und Sportkleidung. Letztendlich ziehen wir immer die selben Sachen an. Was brauche ich drei Sporthosen, wenn es die eine ist, die ich immer trage? Wenn diese verschlissen ist – so kaufe ich eine Neue.

Und unser geliebter Silverdream? Auch er kommt an seine Grenzen. Wir stehen jetzt ein Jahr autark auf dieser Insel. Also ohne Steckdosenstrom und Wasseranschluss. Das hat er super gemeistert, wir hatten nie Probleme mit Strom oder Wasser. Selbst das Autogas, das wir zum Kochen und kühlen des Kühlschrankes benötigen, ist nie ausgegangen. Aber er fährt halt am Liebsten auf asphaltierten Straßen, schon bei Schotterpisten scheppert und rattert alles und die eine oder andere Schublade macht sich selbstständig.

Das Flussbett zum Faneromeni Strand konnten wir nur durchqueren, weil wir eine Luftfederung eingebaut haben und so das Auto etwas höher ist als standardmäßig und trotzdem ließen wir die Anhängerkupplung hängen.

Die ersten Gedanken werden laut – wir wollen mehr, mehr Abenteuer, mehr Wege fahren die der Silverdream nicht fahren kann, mehr von der Welt sehen. Und parallel kommen die Fragen von zu Hause: Wann kommt ihr zurück? Seid Ihr Weihnachten da? Puh .. da waren sie wieder, diese Fragen die wir eigentlich alle mit NEIN beantworten möchten – zu sehr haben wir uns an dieses Leben gewöhnt. Zu gut haben wir unsere Finanzen im Griff, leben nicht von der Substanz – NEIN, NEIN, NEIN, wir wollen nicht mehr in dieses Leben zurück, wir wollen mehr.

Vielleicht habe ich dann alles in Rollen gebracht .. es ist keine vier Wochen her, da kam ich mit dem Gedanken an, den Iran mit dem Motorrad zu bereisen. Schnell wurde aus den Motorrädern ein offroadtaugliches Gefährt. Denn was uns gut gefällt ist, einfach alles dabei zu haben und vor allem unser eigenes, weiches Bett. Unser Wohnmobil wurde für uns schnell zu einem Stück Heimat.

Und dann ist er wieder da: Dieser Gedanke eines Expeditionsmobils, etwas was Ralf schon vor 5 Jahren wollte und Maren mit großer Vehemenz abgelehnt hat. Denn „Luxus“ musste es sein mit allem Komfort, den man (Frau) geglaubt hat zu benötigen. Plötzlich ist dieser Gedanke so real, so greifbar, dass wir uns spontan nach einem geeigneten Gefährt umschauen.

Das Einzige was wir wussten: Es muss ein LKW sein, ganz ohne Schnickschnack, keine bis nötigste Elektrik. Ein Fahrzeug, das dank Allrad auch wiedrigstes Gelände locker schafft, Eines das jeder Schrauber auf der Welt reparieren kann.

Als erstes googlen wir nach Blogs, die von Weltreisen berichten. Schnell war klar, welches Auto zu uns passt. Dann sofort nachgeschaut bei mobile.de – und da ist er, noch leer – die Wohnkabine muss noch ausgebaut werden. Ideal für uns, haben uns doch die vielen Ausbauten anderer Fahrzeuge nicht zugesagt. Ein Mercedes-Benz 911, Kurz- oder Rundhauber genannt, Baujahr 1967 – dürfen wir vorstellen:  Opa Theo.

Haben wir tatsächlich den Knall nicht gehört?

Es geht nach Hause, am Samstag, den 21.07.18 um 0 Uhr verlassen wir mit der Fähre die Insel Lesbos und werden voraussichtlich vier bis sechs Tage später in Deutschland sein. Folgende Punkte stehen an:

  1. Opa Theo in Heilbronn abholen
  2. Den Silverdream verkaufen
  3. Opa Theo ausbauen
  4. Auf Weltreise gehen

Wohin es geht? Wissen wir jetzt noch nicht, das entscheiden wir kurzfristig und natürlich werden wir das in unserem Blog dokumentieren. Eines ist aber jetzt schon klar: Wir werden so wenig wie möglich und so nützlich wie nötig einpacken – alles andere bleibt zurück.

Über Maren Huber

Mein Mann Ralf und ich haben im Juni 2017 unsere Firma verkauft und sind ins Wohnmobil gezogen. Erstes Ziel war die Insel Lesbos um eine Auszeit zu machen um dann die Europa und die Welt zu erkunden. Ich freue mich auf alle, die uns auf dieser spannende Reise begleiten.

16 Kommentare

  1. Crazzzzzzyyy!!! Wow was für ein Leben ich wünsche euch alles Gute auf diesem Weg !

  2. Liebe Maren, lieber Ralf, danke für Eure tollen Berichte. Freut mich für Euch sehr, dass Ihr den Knall nicht gehört habt, denn sonst würdet Ihr zusammenzucken und hättet nicht den Mut, das zu tun was Euch Beiden wichtig ist. Von Herzen wünsche ich Euch alles Gute und lasst Euch nicht beirren Euren Weg zu gehen. Viele Grüße von einer Badnerin aus Eurem alten Leben. Elvira

  3. Ihr seit der Knaller und das ist gut so.
    Für Eure Entscheidung kann ich euch nur alles Gute wünschen. Ich gebe ehrlich zu, ein bisschen neidisch bin ich schon. Aber daher kann ich euch auch so gut verstehen.
    Natürlich hoffe und erwarte ich spannende Berichte. Und natürlich hoffe ich euch in old germany vor der Abreise noch zu sehen.
    Grüßle aus der alten Heimat, Michel

  4. Ihr Lieben,
    pures Abenteuer, ich freue mich für euch und bewundere euren Mut! Erst vor kurzem waren wir in Bad Boll, und da schweiften dann die Gedanken ab, ob wir wohl auch so mutig wären? Immerhin haben wir uns jetzt ein Wohnmobil gekauft (onsern Christoph) touren aber nur (bis jetz) durch Europa
    Von ♥ wünschen wir euch immer eine sichere Fahrt und weiterhin viele angenehme Abenteuer!
    Alles Liebe von Gaby und Michael Plenz

    • liebe Gaby, lieber Michael,
      wir freuen uns, daß Ihr auch Euren Weg gefunden habt – wir wünschen Euch eine tolle Zeit mit Eurem Christoph. Und wer weiß, vielleicht kommt auch für Euch einmal die Zeit etwas mehr sehen zu wollen. Wir haben das alles so ja auch nicht geplant 🙂
      GLG Maren und Ralf

  5. Liebe Maren, Lieber Ralf,

    ich bewundere Euch für den Mut und finde Eure Neugierde auf die Welt und das Leben faszinierend. Ihr erschafft Euch eure eigene Realität ! Geht einfach EUREN Weg ! SUPER !
    Ich wünsche Euch weiterhin alles GUTE und LIEBE auf diesem Weg !
    Liebe Grüsse
    Claudius

  6. Na dann wünsche ich Euch viel Spaß, ich bin sehr gespannt wie der Ausbau von Opa aussehen wird( kleiner Tipp,denkt über eine Trockentoilette nach), ich dachte nur das wir uns vielleicht auf den Caravan Salon in Düsseldorf nochmal sehen bevor Ihr abhaut.
    Ciao Marcello

    • Lieber Marcello,
      wir werden hier sicher den kompletten Ausbau dokumentieren. Und danke für den Tipp, wir haben uns tatsächlich schon für eine Trockentoilette entschieden, das blöde Chemizeugs passt einfach nicht zu uns. Ich glaube nicht, daß wir nach Düsseldorf kommen.
      Ganz liebe Grüße Maren und Ralf

  7. Liebe Maren,
    ich hoffe Ihr kommt gut voran mit dem Ausbau von Theo. Ich freue mich immer, Eure Nachrichten zu lesen und wünsche Euch alles Gute!
    Ganz herzliche Grüße
    Connie

  8. Liebe Maren , lieber Ralf
    schneller als gedacht , schau ich mir euren Blog an
    das Ihr mutig seid, habt ihr schon 456443mal zu hören oder lesen bekommen
    Ich denke, ihr habt alles richtig gemacht.
    liebe grüße und allzeit ne Handbreit Diesel im Tank
    wünschen euch Wulf und Moni

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